Blog | Mona Schaffer

Oktober 2016

"Raumwahrnehmung"

Ich sehe Innenarchitektur als interdisziplinäres Fach, in dem Raum, Materialität, Farbe und das Erleben zusammen kommen. Während meines Studiums in Deutschland entstand die Vision, emotionale Atmosphären für Räume zu entwickeln, die von Licht, Farben und natürlicher Materialität geprägt sind. Da ich in Deutschland immer wieder Hemmung vor Farben und Emotionen spürte, zog es mich in ein Auslandssemester nach Kuba, an die ISA in Havanna.

Der dritte Monat meines Auslandssemesters hat nun begonnen. Kuba fordert mich, bringt mich dazu, vieles von dem, was ich gelernt habe, aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und intensiviert jede Aktion, jedes Gefühl und jede Raumwahrnehmung. Die Eindrücke der neuen Gerüche, Geräusche, Farben und Bräuche sowie die unbeschreiblich schöne Architektur meines Campus faszinieren mich jeden Tag aufs Neue

All diese Begebenheiten durchfluten meine Gedanken und verhelfen mir dabei, meine vorher gedachten Räume mit neuen Farben zu füllen, Raumgrenzen anders zu definieren und sie mit neuen Formen zu versehen. Es ist die weiße Stille, die ich in Deutschland oft in Räumen verspürte, die durch diese Eindrücke gerade gebrochen wird. Eine Stille, die für mich einen Rückzugsort bedeutete, eine Stille, die ich sehr schätze, die aber auch darauf gewartet hat, erfüllt zu werden.

Kuba durchströmt meine Gedanken und meine Gestaltung. Die neuen Eindrücke und starken Gefühle, die ich hier empfinde, erfüllen den weißen stillen Raum und verhelfen mir gerade bei meinem Wunsch Räume mit starken Farben und neuen Formen zu denken und diese Räume mit emotionalen Atmosphären zu füllen.

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August 2016

"Lichtung"  

Die Unendlichkeit und Weite des Himmels im Outback Australiens, das ferne Donnern einer Lawine in den Alpen, der Wechsel der Lichtstimmung bei einem Gewittereinbruch – all das sind gewaltige Natureindrücke, die mich fesseln und sich in meinem Gedächtnis eingeprägt haben. Aber auch ruhigere, alltäglichere Naturbegegnungen wie das Rauschen eines Bachs, das Rascheln der Blätter oder das Glitzern des Sonnenlichts auf einer Wasseroberfläche sind Momente, die mich positiv stimmen. Für diese Momente möchte ich einen Ort auf dem Marktplatz von Halle (Saale) schaffen, einen Ort, der sich an den vielseitigen Sinneseindrücken der Natur orientiert, der die Sinne der Passanten anregt und der zu einem emotionalen Raumerlebnis wird.

Doch wie kann ein solcher Ort geschaffen werden, ohne den Markplatz in einen großen Park umzuwandeln? Wie kann man diese Vielzahl an Atmosphären in den gebauten Raum übertragen?

  

Inspiration für diesen Ort finde ich in den faszinierenden Lichtstimmungen des Waldes. Ich fokussiere mich auf drei Lichtatmosphären, die in Abhängigkeit von Sonne und Wind zu magischen Schauspielen werden und die mich immer wieder in ihren Bann ziehen: Die Schatten der Baumkronen auf dem Boden, vereinzelte durch das Blätterdach fallende Lichtstrahlen und die wechselnde Farbstimmung des von der Sonne beschienenen Blätterdachs.

Für diese Lichtstimmungen schaffe ich eine begehbare Raumfolge, die in drei Abschnitte gegliedert ist. In diesen Abschnitten werden die Lichtstimmungen einzeln übertragen und können von den Besuchern atmosphärisch erspürt werden. Die Lichtinstallationen bespielen die Decke, den Boden oder sind im Raum wahrnehmbar. Durch einzelne hintereinander stehende Rahmen, zwischen denen eine textile Membran verspannt ist, entsteht die Raumhülle. Durch die Veränderung der Größe der Rahmen, die sich weiten und verengen, entsteht eine bewusste Raumgliederung und eine anregende Raumform.

 

Durch die Raumhülle läuft ein Steg, auf dem der Raum durchschritten wird. Aus dem Steg wachsen polygonale Körper, auf denen sich die Besucher niederlassen können. Die Form und die Anordnung der Polyeder im Raum bestimmen dabei die Körperhaltung der Besucher und lenken deren Blick auf die inszenierten Lichtflächen. Die Passanten werden in der Lichtung zum Verweilen animiert und dazu eingeladen aus dem Alltag in die anregenden Lichtatmosphären des Waldes einzutauchen.