zum 70. von Jan Störmer

"Wir gratulieren unserem Schirmherrn Jan Störmer herzlich zum 70.!"

Lieber Jan,

du wirst 70? Was, jetzt schon? Kaum zu glauben, denn wer Dich trifft, der bemerkt nicht den erfolgreichen, gesetzten, Hamburger Architekten, der sieht zu allererst den ewigen Jungen mit dem kaum gebändigten Haarschopf.

Kennengelernt haben wir Dich vor demnächst 20 Jahren. Es war in Berlin. Wir organisierten eine unserer  ersten Architekturveranstaltungen. Du erzähltest auf dem Podium, wie es ist, im frühkapitalstisch wildgewordenen Moskau als Architekturpfadfinder ein Büro zu betreiben - und nicht sofort von von lokalen Mafiosis erschossen, ausgeraubt und überfallen zu werden (wahlweise natürlich auch in der umgekehrten Reihenfolge.)

Heute heißt Dein Büro Störmer, Murphy und Partner. Bekannt wurdest Du als Teil von me di um. Damals bei der AIT- Veranstaltung hieß das Büro Alsop und Störmer - und wie  ein in der Wolle gefärbter Hanseat wie Du, zehn Jahre lang mit Wil Alsop, diesem trinkfesten Architektur-Raufbold von der Insel (und das ist bitte schön keine Beleidigung)  zurecht gekommen ist, das bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Mut hast Du bestimmt dazu gebraucht (für Moskau ebenso wie für Alsop) - und Mut hattest Du schon immer. Stimmt die Geschichte, dass Du als Halb- bis Dreiviertel-Wüchsiger aus dem Bremer Architektenelternhaus entwischt, eine aussichtsreiche Karriere als  Schiffsjunge eingeschlagen und sämtliche Weltmeere befahren hast? Und wurdest Du tatsächlich als vielversprechender Nachwuchsholzfäller mutterseelenallein an einem gottverlassenen kanadischen Flußarm postiert, mit nichts anderem bewaffnet als blechernem Kochgeschirr (denn nichts verjagt Schwarzbären zuverlässiger als lärmende Topfdeckel)? Vielleicht ist es Seemansgarn - handgesponnen in Deinem Büro in der Admiralitätsstrasse und erzählt an langen Abenden unserer AIT-Workshops. Vielleicht ist es aber auch wahr.

Für AIT warst Du ein Glücksfall - und bist es hoffentlich noch sehr lange. Unsere erste Niederlassung ausserhalb des Stuttgarter Verlages eröffneten wir bei Dir - ein einsamer Schreibtisch neben der Tischtennisplatte Deines Büros auf der Fleetinsel. Wir wuchsen - und Dein Büro tat dasselbe. Und irgendwann mussten wir weichen. Das war gut so - schließlich eröffneten wir aus lauter Verzweiflung unseren ersten AIT-ArchitekturSalon gleich hinter einem Speicherstadtfleet. Inzwischen sind mehrere Architekturgalerien in ganz Deutschland dazu gekommen. In Hamburg warst Du Geburtshelfer und Schirmherr und bist stets treuer Gast.

Was für ein Glück, daß 70 für einen Architekten noch kein Alter ist. Eine Berufsgruppe, die traditionell  mit 40 gerade mal den Windeln der postuniversitären Ausbildung entwächst, hat schließlich zumeist ein langes und arbeitserfülltes Leben vor sich. Deshalb warten wir noch auf viele und herausragende Bauten von Dir. Zumindest droht Dir nun nicht mehr das Schicksal, in einem Buch über "Junge deutsche Architekten" aufzutauchen. Wir denken am 15.Juni ganz fest an Dich und wünschen Dir alles Gute zum Siebzigsten.